Die Idee zu diesem Abenteuer schwebte schon einige Zeit im Raum - als es dann mit der Anmeldung zum Pothole Rodeo am 1. Januar 2018 klappte stieg die Vorfreude ins Unermessliche und die Vorbereitungen nahmen Fahrt auf. Am 5. Juli 2018 ging es als Team "Bearded Balkan Buddies" gemeinsam mit Tom und Martin in Richtung Graz, wo wir am 6. Juli dann zu unserem ersten Abenteuer starteten.

Tag 1: "Willkommen im Ostblock" (Graz - Novi Sad)

Nach der gestrigen Anreise nach Graz geht es heute "so richtig" los: Beim Shoppingcenter Seiersberg treffen sich alle Teams zum gemeinsamen Start des Abenteuers! Apropos - der Tag fing für uns schon abenteuerlich an: Als wir an unserer Unterkunft starten wollten, piepste es beim Einschalten der Zündung und die ABS-Anzeige blinkt rot. Rot ist nie gut. Zum Glück konnte ein anderes Team den Fehlerspeicher unserer Karre auslesen und die Warnung stellte sich als "harmlos" heraus. Nur ein defekter Drehzahlsensor im ABS-System - dann fahren wir halt ohne ABS, wer braucht das schon. Für unser Gewissen wurde die blinkende ABS-Warnleuchte mit Tape überklebt und mit "ABS OK" beschriftet - und los geht's.

Auf der A9 ging es zunächst in Richtung Slowenien, wir gönnten uns die völlig überteuerte Autobahnvignette der südlichen Nachbarn und - standen im Stau. Bei Podlehnik verließen wir die Autobahn und wurden von der Polizei über Rogatec nach Krapina gelotst. Leider wurden nicht nur wir über diese Umleitung geführt, so dass wir auch auf dieser Ausweichstrecke ungefähr zwei Stunden im Stau standen. Erstmal schön entschleunigen zum Beginn des Abenteuers ;) Irgendwann waren wir dann endlich in Kroatien und es rollte wieder. Nach einer kurzen Stippvisite in die Innenstadt von Zagreb und zur Festung von Slavonski Brod ging es auf den letzten Kilometern sozusagen "querfeldein" von Gradiste über Ilok nach Novi Sad, dem heutigen Etappenziel. Zwischen Mais- und Sonnenblumenfeldern senkte sich die Sonne in einem wunderschönen, satten orange und wir kamen gegen 22 Uhr in unserer Unterkunft an. Lange konnten wir unseren ersten Etappensieg allerdings nicht feiern, der Wecker morgen klingelt um 6.30 Uhr, denn wir wollen zeitig in die zweite Etappe aufbrechen... Gute Nacht!

Tag 2: "Serbien & Transsilvanien" (Novi Sad - Sighisoara)

Nach dem leichten und gesunden Abendessen bei "Obelix" das sozusagen aus Mayonnaise und Fleisch bestand (natürlich Bier dazu!) war an Schlaf nicht zu denken. Viel zu spät fielen wir uns Bett und unsere Augen zu, so dass wir heute Morgen dementsprechend aussahen. Den anderen Teams ging es aber augenscheinlich nicht anders, so dass wir in der Masse der Zombies beim morgendlichen Checkpoint nicht wirklich auffielen. Es ging auf einem großen Parkplatz los - wir holten uns die Morgenpost und sahen zu, dass wir Land gewinnen - für heute standen noch ein paar Caches in Serbien (Zrenjanin & Torak), sowie ein Besuch beim UFO in Timisoara, die Festung in Deva und die restliche Strecke bis nach Sighisoara auf dem Programm - nicht gerade wenig. In Zrenjanin hatte ich das erste Mal so richtig das Gefühl im "Ostblock" angekommen zu sein. Plattenbauten, kaputte Hauptstraßen und Beton wohin man blickt. Die Caches waren erstaunlich schön und gut gewartet für so eine trostlose Gegend - mit zwei Cachefunden und einer Hand voll geklauter Mirabellen (vom Baum!) ging es weiter nach Torak, zu einem "Lost Place". Viel war von der alten Ziegelfabrik nicht mehr übrig, eigentlich nur noch ein einziger Schornstein und genau hier lag der Cache. Der Grenzübertritt zurück in der EU nach Rumänien war unspektakulär, wir sollten nach der Passkontrolle auf die Seite fahren: "Wait for Customs". Der Customs-Mann kam aber nicht, dafür Andi und seine Orga-Crew denen sie das Gleiche gesagt hatten. Nachdem nach einer halben Stunde noch immer niemand auftauchte haben wir uns aus dem Staub gemacht. In Timisoara besuchten wir neben einem Wherigo an der Brauerei auch die Iulius-Mall, die an Dekadenz kaum zu übertreffen war. Hier zeigt Rumänien was es hat. Wir kauften für die Tageschallenge in einer Art Großmarkt Spielzeug und Schulkram für die Kinder in Moldawien ein, das hätten wir uns sparen können wenn wir gewusst hätten was uns morgen erwartet... Noch kurz das "Galileo-UFO" am Rande der Stadt besucht und einen Cache versteckt und weiter ging's durch endlose Sonnenblumenfelder in Richtung Osten. Es schüttete wie aus Eimern und wir waren froh, dass wir uns für die Autobahn entschieden hatten. Leider hatten wir davon nicht lange was, nach ein paar Kilometern war auf einmal Ende und es ging auf der Landstraße DN7 weiter bis nach Deva. Hier brauchten wir eine kurze Pause und vertraten uns auf der Festung die Beine. Bis zur Aussichtsplattform waren es 242 Stufen, da kommt der Kreislauf in Gang! Aufgrund der späten Stunde entschieden wir uns wieder für die A1, der wir bis nach Sibiu folgten. Die restlichen 90km mussten wir auf Landstraßen zum Ziel kommen, was aber erstaunlich gut funktionierte. Eigentlich wollten wir heute zelten, aber das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung, so dass wir kurzfristig eine Unterkunft über Airbnb in Sighisoara buchten. Morgen geht's über die Karpaten, wir sind gespannt ob die Karre hält!

Tag 3: "Rumänien Extreme" (Sighisoara - Galati)

Gleich vorweg: Dies war wahrscheinlich der längste Tag des Pothole Rodeo. Wir starteten früh auf einem Schotterplatz mitten in Schäßburg mit einem tollen Blick auf den Schulberg. Nachdem wir unsere Morgenpost mit der Tageschallenge (die ja im Vorfeld schon bekanntgegeben wurde) abgeholt hatten, machten wir uns wieder einmal als eines der ersten Teams auf den Weg - allerdings kamen wir nicht weit: Da waren noch ein Virtual, ein Wherigo und ein Tradi auf dem Schulberg, eine Letterbox bei der Touristeninfo... Wir können es einfach nicht lassen und so waren wir zwar die Ersten, die beim Checkpoint losfuhren, der effektiv wahrscheinlich das letzte Team das Schäßburg nach neun Geocache-Funden verlassen hat. Wir nahmen die DN13 in Richtung Targu Mures, zweigten dann aber auf die DN13A nach Osten ab und nach einem kurzen Stopp beim "Bear Lake" - einem Thermalsee und bei der "Praid Salt Mine" erreichten wir Gheorghieni - das Tor zu den Ostkarpaten. Ab hier wurden die Straßen (noch) schlechter, steiler, gewundener. Über den "Pasul Pângărați" gelangten wir zum Lacul Rosu, der gar nicht rot war und zur beeindruckenden Bicaz-Klamm. Die auch "Höllenschlund" genannte Schlucht ist rund 10km lang und die Felswände ragen zum Teil über 100m senkrecht empor. Am Ende dieser Schlucht liegt Piatra Neamt ("Deutschstein"), wo wir eine kurze Cachepause einlegten. Die Karpaten hatten wir hinter uns gelassen, es folgte noch etwas plattes Land bis zur Grenze nach Moldawien, das wir über Bacau und ein Monument zu Ehren "Stefan Cel Mare" in Vaslui auch schnell passierten.

Mit "schnell" war an der moldawischen Grenze allerdings nix. Wir folgten dem Rat des rumänischen Pärchens, bei denen wir uns letzte Nacht einquartiert hatten und mieden die Grenze bei Iasi ("very crowded, long waiting times") und versuchten es bei Albita etwas südlicher. Bei dem Versuch blieb es leider. Nachdem wir über zwei Stunden vor der Grenze gewartet hatten und schon fast "drüben" waren, blitzten wir beim Zoll (!) ab. Die hatten ein Problem mit unseren "export plates" also mit den Ausfuhrkennzeichen. Ich verstand nicht so recht was genau das Problem war und der beamte sprach kein Englisch. Beste Voraussetzungen. Wir sollten an die Seite fahren und uns im Büro melden. Neben uns stand ein Auto mit deutschem Kennzeichen und der Fahrer sprach mit einem der Beamten, also ging ich davon aus dass er deutsch und moldawisch spricht und fragte ihn ob er dolmetschen könnte. Er sprach mit einem Grenzbeamten und erklärte uns, dass Ausfuhrkennzeichen zwar generell erlaubt wären, sie uns aber an der Grenze die Einfuhrumsatzsteuer berechnen müssten, für den Fall dass wir das Auto in Moldawien verkaufen wollten. Laut unserem Dolmetscher sollten das 3000 Euro sein (das Auto ist nicht mal meh die Hälfte wert!) und uns blieben drei Möglichkeiten: 3000 Euro zahlen die wir bei der Ausreise wiederbekommen würden (wer's glaubt), das Auto an der Grenze stehen lassen oder umdrehen. Wir glaubten hier noch, dass sich der Grenzbeamte vielleicht mit den 3000 Euro zur Ruhe setzen wollte und beschlossen, es bei einem anderen Grenzübergang nochmal zu versuchen. Zu diesem Zeitpunkt war es übrigens schon 20 Uhr. Wir fuhren also bei einbrechender Dämmerung auf der DN24A in Richtung Süden und versuchten es beim nächsten Grenzübergang bei Oancea nochmal (ca. 23:30 Uhr). Hier war zum Glück nichts los und wir kamen nach kurzer Wartezeit dran - leider mit dem gleichen Ergebnis. Entweder hatten die Grenzbeamten miteinaner gesprochen und wollten sich die "Beute" aufteilen, oder es gibt da wirklich eine Regelung die ich aber online nirgends gefunden habe, als ich mich über die Gültigkeit und Regelungen von Ausfuhrkennzeichen informiert habe. Nagut, dann also kein Moldawien. Bekommen halt andere Kinder die Spielsachen und das Schulzeug. Wir hielten eine Krisensitzung ab und entschieden nach Galati zu fahren, da es nur dort ein Hotel mit 24-Rezeption gab und wir dann morgen etwas länger schlafen können, da wir schon näher am nächsten Etappenziel Constanta waren als die anderen Teams. Um kurz nach 1 Uhr in der Früh kamen wir dann am Hotel an. Was für ein Tag.

Tag 4: "Donaudelta & Schwarzes Meer" (Galati - Constanta)

Heute starteten wir nicht wie geplant in Chisinau und fuhren nicht wie geplant über Odessa und Galati nach Constanta. Stattdessen konnten wir etwas ausschlafen (falls man das bis 8.30 Uhr so nennen kann) und machten uns von Galati auf den Weg zum Donaudelta: Gemeinsam mit LKWs auf dem Deck der Fähre schipperten wir über die Donau, auf der anderen Seite konnten wir einen STF bei einem Cache loggen und besuchten zwei Bunker aus dem ersten Weltkrieg. Der zweite Bunker war eigentlich nur ein Unterschlupf und wir mussten uns zwischen Dornengestrüpp und abartig großen Spinnen erst auf einen Hügel kämpfen, von dem wir dann aber eine tolle Aussicht hatten. Weiter ging es auf der DN22 nach Tulcea, unserem neuen östlichsten Punkt auf der Tour. Wir stoppten kurz am Hafen für einen Cache, beim Donaumuseum auch für einen Cache und schon ging es weiter entlang des Donaudeltas bis nach Constanta. Tatsächlich sahen wir erst hier zum ersten Mal das Schwarze Meer. Nach einer kurzen Stadtrundfahrt mit ein paar Caches checkten wir in unserer Bude ein, die von außen echt gammlig aussah, drinnen aber richtig gemütlich und neu renoviert war! Wir ließen das Auto im Innenhof stehen und machten uns zu Fuß auf den Weg zum Strand, um dort gemütlich mit den Füßen im Wasser zu unserem Geocaching-Event zu schlendern. Was eigentlich unsere längste Etappe mit drei Grenzübertritten (wenn man Transnistrien mitzählt) werden sollte, wurde letztlich mit gerade einmal gut 200km die kürzeste Etappe. So schnell kann's gehen!

Tag 5: "Ancient & Eternal" (Constanta - Plovdiv)

Wir hatten das Schwarze Meer erreicht und irgendwie kam es uns ein bisschen vor wie in Griechenland. Naja, ist ja jetzt auch nicht mehr sooo weit weg. Wir starteten in den Tag mit einem Besuch bei der "Limanu Cave", einem Höhlensystem das so weitläufig und verzweigt ist, dass sich dort schon Menschen drin verlaufen haben. Es gab wohl einen alten Mann, der die Höhle auswendig kannte aber der ist vor ein paar jahren verstorben (nicht in der Höhle) und jetzt ist es noch gefährlicher dort, weil sich niemand mehr auskennt. Jedenfalls sind wir da natürlich reingegangen und sahen am Eingang schon die vielen Bindfäden am Boden, mit deren Hilfe sich die Höhlenbesucher wieder zum Eingang gehangelt haben. Wir sind allerdings nicht so weit reingegangen, schließlich sind wir alte Männer und haben alle Rücken. Drinnen haben wir ein paar Bilder gemacht, die Fragen für den Earthcache beantwortet und die Kühle genossen, bevor es wieder raus in die sengende Sonne ging. Die Grenze zu Bulgarien war nicht mehr weit und wir passierten sie nach nur einer guten halben Stunde Wartezeit. Wir wollten mehr von dem Griechenland-Feeling und entschieden uns, die Hauptstraße zu verlassen und direkt an der Küste zu fahren. Schlechte Idee. Nach einem halbstündigen Stoßdämpfer-Extremtest fanden wir zurück auf die Hauptstraße - ABER wir haben die "Tyolenovo Bridge" gesehen, ein Felsbogen an der Steilküste - wirklich sehenswert! Unser nächster geplanter Stopp war "Cape Kaliakra", eine Landspitze nordöstlich von Warna. Hier war es extrem heiß, obwohl wir am Meer waren und ein stetiger Wind blies - man hatte das Gefühl ständig von einem Haarföhn angeföhnt zu werden. Ich glaube, ich habe an diesem Tag drei oder vier T-Shirts durchgeschwitzt. Echt abartig. Das Kap war schön, aber jetzt nicht der Burner. Schöne Ausblicke auf das Schwarze Meer und die Bucht von Warna, ein Restaurant und ein (im Eintrittspreis inkludiertes) Meuseum - nicht mehr und nicht weniger. Weiter nach Warna, wo wir eigentlich nur für zwei Caches stoppten. Ich hatte in der Stadt viel mehr geplant, unter anderem ein Besuch bei diversen Bunkern und dem Monument auf dem "Turna Tepe" aber es war so heiß, voll und stressig in der Stadt, dass wir alle nur noch weiter wollten. Beim Pothole Rodeo 2019 gibt es dann vielleicht einen ausgedehnteren Aufenthalt in Warna :) Next stop: Nessebar am Sonnenstrand, oder wie die Einheimischen sagen "Sonny Bitch". Eine schöne Altstadt mit vielen, sehenswerten Gässchen und ein paar tollen Caches aber meeega touristisch! Die Schilder vor den Restaurants auf deutsch, englische Reisegruppen ziehen grölend in Richtung Strand. Schnell weiter. Wir nehmen die A1 in Richtung Westen bis Stara Sagora und fahren nach Kasanlak. Es ist schon wieder 19.30 uhr und wir müssen uns beeilen, zum Sonnenuntergang beim Buzludzha-Denkmal zu sein. Das "UFO-ähnliche" Monument steht auf einem Berg nördlich der Stadt Kasanlak und ist über eine schlechte Bergstraße zu erreichen. Hier gab dann auch unsere BC-Antenne auf und fiel lautstark vom Dach, da waren die Schlaglöcher dann wohl doch zu groß. Der Rest des Autos hielt zum Glück und wir kamen gerade noch rechtzeitig bei einem der Highlights des gesamten Pothole Rodeo an - dem "Buzludzha Monument". Nach einer ausgiebigen Fotosession bei gefühlten -10°C und extrastarkem Wind haben wir ausnahmsweise mal die heizung im Auto eingeschaltet und machten uns auf den Weg zu unserem jetzt noch rund 120km entfernten Tagesziel: Plowdiw. Dort kamen wir gegen 23 Uhr an, pünktlich zur Sperrstunde aller Bars in der Innenstadt. Schade, denn die sahen alle wirklich gut aus - ein weiterer Punkt für das Pothole Rodeo 2019 :) Hungrig mussten wir dennoch nicht ins Bett gehen, ein Dönerladen hatte noch offen und Bier haben wir sowieso immer im Auto. Abend gerettet.

 Tag 6: "Bulgarien & FYROM" (Plovdiv - Ohrid)

Nach der "Grenzerfahrung" in Moldawien machten wir uns etwas Gedanken über den Grenzübertritt nach Mazedonien. Beide sind nicht in der EU, aber immerhin ist Mazedonien Betrittskandidat, also bestand Hoffnung. Wir schauten uns zuerst noch Sofia etwas an, besuchten einige schöne Caches und die Innenstadt. Wir nahmen Kurs auf Kjustendil und die Mazedonische Grenze. Mit Herzrasen stellten wir uns in den Grenzstau, aber es gab zu unserer Überraschung überhaupt keine Probleme! Gegen 13.30 Uhr hatten wir die Grenze passiert und uns folgten einige andere Teams, mit denen wir uns gleich für die heutige Tageschallenge "Fahrertausch" zusammenschlossen. So bekam ich die Gelegenheit einen Opel Rekord von 1985, einen alten Passat vom Orga-Team und einen Audi 80 zu fahren und die anderen Teams besser kennenzulernen :) Bei einem spontanen Mittagessen an einer Autobahnraststätte bei Kumanovo mit einem anderen Team mussten wir feststellen, dass wie schon in Serbien auch in der FYROM "Majonez" auf der Speisekarte ganz hoch im Kurs steht. Weiter ging es vorbei an Skopje und über Tetovo nach Gostivar, wo wir noch einen Abstecher in den Mavrovo nationalpark unternahmen. Dort gibt es einen Stausee mit einer Kirche - ähnlich dem Reschensee - bei der je nach Wasserstand nur die Kirchturmspitze aus dem Wasser ragt. Ich habe mal die Badehose getestet und bin zur Kirche rübergeschwommen, eine Erfrischung tut bei diesen Temperaturen wirklich gut! Leider war der Parkranger dagegen, dass wir hier mit der Drohne fliegen - wären besitmmt tolle Aufnahmen geworden. Endspurt auf der A2 (definitiv keine Autobahn!) bis zum Ohridsee. Hier wollten wir eigentlich wieder campen, aber wir fanden spontan ein 4*-Hotel direkt neben unserem morgigen Checkpoint, das noch ein günstiges Dreierzimmer frei hatte - da sagt man nicht nein. Das Abendessen im "Metropolis" gegenüber des Hotels war erstaunlich gesund (Thunfischsalat) und richtig gut! Vom Nachtleben hatten wir uns etwas mehr erwartet, auch hier werden um Mitternacht die Gehsteige hochgeklappt... Na dann: Gute Nacht!

 Tag 7: "Westbalkan & Adriaküste" (Ohrid - Ulcinj)

Mit rund 260km ist die heutige Etappe von Ohrid nach Ulcinj in Montenegro nur unwesentlich länger als unsere "unfreiwillig abgekürzte" Etappe 4. Wir starteten nach einem vorzüglichen Frühstück im Hotel Drim frisch gestärkt in Richtung albanische Grenze. Dort haben wir wieder kurz gezittert, aber mir kam vor so langsam gewöhnen wir uns an den Stress an der Grenze. Alles lief zum Glück reibungsfrei und dadurch, dass es noch recht früh war hatten wir kaum Stau. Bei "Lin" warfen wir noch einen letzten Blick auf den Ohridsee und verabschiedeten uns dann in Richtung Elbasan. Durch das albanische Hochland ging es bis nach Tirana und wir entschlossen uns spontan nicht nur an der Hauptstadt vorbei- sondern auch durchzufahren. Die ganze Stadt war voller Autos, Stau überall und an jeder zweiten Ampel wurde unsere Frontscheibe von einheimischen Kindern geputzt. Wir hatten leider keine albanischen Lek und Euro-Hartgeld bekommt man im Balkan nirgends umgetauscht... Naja, wir waren froh als wir nach rund 1,5h wieder aus der Stadt draußen waren und setzten unsere Reise in Richtung Shkodra und montenegrinische Grenze fort. Am Rozafa Castle mussten wir leider vorbeifahren, da die Abschlussparty mit Siegerehrung schon um 17 Uhr in Ulcinj stattfand - da wollten wir nicht zu spät kommen. Der Grenzübertritt nach Montenegro war wieder unkompliziert und nach ein paar Kilometern waren wir in Ulcinj. Die größte Challenge des Tages bestand darin unser Hotel zu finden... Wir parkten erst am gebührenpflichtigen Parkplatz am Meer, danach auf der anderen Seite der Altstadt bei der Festung - um dorthin zu kommen musste man aber "von hinten durch die Brust ins Auge" weil praktisch alle Straßen in Ulcinj Einbahnstraßen sind. Wir parkten also bei der Festung und erkundeten die Altstadt zu Fuß - Straßennamen gibt es hier nicht und auch der Taxifahrer konnte mit dem Namen unseres Hotels nichts anfangen. Es wäre eh nicht so schwer zu finden gewesen, wenn wir nicht immer zu früh umgedreht wären! Also nochmal zurück zum Auto und unser Zeug geholt. Laut der Rezeptionsdame sollte eine Fahrt zum 20 Kilometer entfernten "Giovanni Beach" rund 4 Euro kosten, daher ließen wir das Auto stehen. Größte Fehlentscheidung des Tages. Die Fahrt im Taxi kostete knapp 18 Euro (mit Taxameter!) und die Partystimmung bekam schon einen kleinen Knacks. Hier am Strand wäre genug Platz gewesen um das Auto gratis zu parken und entweder am Strand oder im Auto zu übernachten... Gespeichert für's Pothole Rodeo 2019 ;) ich ließ es mir nicht nehmen vor der Siegerehrung noch in die (extrem salzige) Adria zu springen und war pünktlich zum Beginn des offiziellen Teils wieder trocken. Zu unserer Überraschung landeten wir auf Platz 14 - das musste gefeiert werden! Die Liveband war echt gut, nur schade dass die Getränke so teuer waren... Irgendwann gegen 21.30 Uhr machten wir uns auf den Rückweg, da wir ja um 22 Uhr ein Geocaching-Event in Ulcinj hatten. Dass die Abschlussparty so weit außerhalb war, hat irgendwie unsere komplette Planung durcheinander gebracht. Jetzt standen wir am Giovanni Beach, wo zwar 150 Autos standen aber niemand mehr fähig war zu fahren. Taxis waren auch keine in der Nähe, also beschlossen wir mal loszulaufen. Im Dunkeln. Mit nassen, sandigen Füßen in den Flipflops. Na super. Zum Glück hielt gleich das erste oder zweite Auto an und die beiden Jungs nahmen uns für einen kleinen "Unkostenbeitrag" mit zurück nach Ulcinj. Wir saßen zu dritt auf der Rückbank eines Golf 2, der Fahrer war nicht mal 18 und hatte nach eigenen Angaben keinen Führerschein ("I don't fucking care") und ich dachte wir werden alle sterben. Fahren konnte er immerhin und nachdem er mit uns hupend durch seine "Hood" fuhr und bei einer Dame - anscheinend seine Exfreundin - eine Zigarette schnorrte kamen wir unverletzt in Ulcinj an. Gerade noch rechtzeitig zum Event - zu dem dann außer uns keiner kam. Irgendwie ein etwas verplanter Tag. Das Nachtleben hier in Ulcinj war zwar in vollem Gange, aber irgendwie muss der Schnaps am Strand schlecht gewesen sein - wir hatten alle dermaßen Kopfschmerzen, dass wir uns noch eine Pizza mit toller Aussicht auf die Stadt gönnten und dann tot ins Bett fielen.

 Tag 8: "Bay of Kotor & Dubrovnik" (Ulcinj - Split)

Das Hotel hatten wir ohne Frühstück gebucht, also ging es früh los und wir stoppten in Dobra Voda für einen Snack und neue, kalte Getränke. Immer entlang der Küstenstraße ging es vorbei an Budva bis zur Bucht von Kotor, an der wir uns entscheiden konnten: Entweder wir fahren mit der Fähre oder aber 30 Kilometer "außen rum". Wir entschieden uns für die Fähre, die uns in nicht mal 5 Minuten die 900 Meter auf die andere Seite brachte. Gern hätte ich noch einen Ausflug zur "Lady of the rocks" gemacht, aber die Fähre dorthin geht nur von Perast aus - da hätten wir die "außen rum"-Variante wählen müssen. Ein paar Kilometer und einen Grenzübergang später waren wir wieder in Kroatien und steuerten unser nächstes Ziel an: Dubrovnik. Bis heute wusste ich gar nicht, dass Kroatien eigentlich zweigeteilt ist - zumindest wenn man sich auf dem Landweg bewegt. Man muss zwangsläufig ca. 10 Kilometer über bosnischen Boden fahren - und so konnten wir diesen Länderpunkt auch noch abstauben ;) Die durchaus attraktive Grenzbeamtin an der Grenze zurück nach Kroatien wollte wissen, was das mit dem Ausfuhrkennzeichen auf sich hat und fragte mich, ob ich damit schon Probleme gehabt hätte... "Nein, natürlich nicht und das wär jetzt für Kroatien als Mitglied der EU auch echt ein Armutszeugnis wenn ihr jetzt hier einen Aufstand macht." "Nein, nie Probleme gehabt." *freundliches lächeln* - und weiter ging die Reise. In der Nähe von Ploce wartete noch ein "Bennies"-Cache - sie haben Geocaches in mehr als 35 Ländern versteckt und ich versuche nach und nach alle zu finden... Das wird allerdings wohl noch etwas dauern.

In Dubrovnik hatten wir Glück und jemand machte uns einen Parkplatz direkt an der Stadtmauer frei. Hier war es noch heißer als am Cape Kaliakra in Bulgarien, dadurch dass die Altstadt komplett von einer hohen Mauer umgeben ist und als eine Art Trichter gebaut ist weht hier kein Lüftchen. Wir sind zerlaufen und ich musste meinen Kopf zwischendurch unter einen Frischwasserbrunnen halten um nicht den Hitzetod zu sterben. Die Altstadt von Dubrovnik ist wirklich schön und ich bin froh, das wir hier angehalten haben! Auch für "Game of Thrones" musste Dubrovnik herhalten: Hier wurden ab Season 2 die Außenszenen von "King's Landing" gedreht. Nach der Spazier- und Cacherunde in der Altstadt kamen wir gerade rechtzeitig zum Abaluf unseres Parkscheins wieder am Auto an und es ging auf direktem Weg nach Split zum Zieleinlauf. Hier wurden nochmal Fotos geschossen und es gab eine Erfrischung in Form eines hopfenhaltigen Kaltgetränks aus der Dose. Prost!

 Tag 9: "Plitvice & Zeljava" (Split - Innsbruck)

Nach dem Zieleinlauf in Split waren wir etwas planlos: Sollen wir dableiben? Sollen wir weiterfahren? Wir wollten uns ja noch die Wionnetou-Wasserfälle im Nationalpark Plitvice anschauen und entschieden uns, schon mal ein Stück in diese Richtung zu fahren. In der Nähe von Otocac fanden wir ein Hotel, das für eine Spontanübernachtung und -buchung echt ganz gut war! Am nächsten Morgen brachen wir früh auf und waren zeitig am Haupteingang des Nationalparks, so dass es noch nicht so voll war wie in den Reiseberichten und in Foren beschrieben. Beim Anstehen am Kassenhäuschen rechnete ich interessehalber den Eintrittspreis von Kuna in Euro um und mich traf der Schlag: 34 Euro PRO PERSON?! Plus 2,50 Euro pro Stunde für's Parken - Nein danke! Wir wollten den Betreibern nicht noch mehr Geld in den Rachen werfen und beschränkten unseren Aufenthalt in Plitvice also auf die Geocaches außerhalb des Parks. Etwas ernüchtert ging es dann weiter zum "Zeljava Airfield".

Die "Flugzeugkaverne Zeljava" liegt genau an der Grenze zwischen Kroatien und Bosnien und war die größte militärische Flugzeugkaverne Europas. Sie wurde zwischen 1957 und 1970 für rund 6 Milliarden UDS gebaut und wurde bis zum Ausbruch der Jugoslawienkriege genutzt. Anfang der 90er Jahre wurden viele Bunker gesprengt und seitdem verwildert das Gelände. Die befahrbare landebahn führt über die Grenze und man muss aufpassen, dass man keinen illegalen Grenzübertritt begeht - wir waren natürlich brav und sind vor der Grenze umgedreht ;) Leider sind viele der unterirdischen Objekte verschlossen und hin und wieder sollen sich ein Wachschutz bzw. Grenzpolizei auf dem Gelände befinden. Am Eingang des Geländes steht das Gerippe einer alten Douglas C-47B Dakota, die ein hervorragendes Fotomotiv abgibt - Bilder wie immer auf unserer Facebook-Seite und auf unserem Instagram-Account. Diese großartige Location entschädigte etwas für den Reinfall beim Nationalpark und wir machten uns auf den Heimweg nach Innsbruck, wo wir am späten Abend ankamen. Übrigens: Für das Pothole Rodeo 2019 sind wir schon angemeldet...

 

Mit einem GPS-Tracker haben wir während dieser Woche unsere Position laufend an einen Server übertragen. Auf der folgenden Karte könnt ihr sehen, welche Strecke geplant war (rot) und welche Strecke wir tatsächlich gefahren sind (blau). Die weißen Marker stellen die täglichen Etappenziele dar. Bis auf Moldawien haben wir unseren Plan ziemlich eingehalten, lediglich an der Adria haben wir uns für die schönere Küstenstraße und gegen Podgorica entschieden. Am Ende waren es rund 5430km und bis auf ein paar Kleinigkeiten (ABS-Sensor, CB-Antenne) hat unser treuer Audi durchgehalten.

Bilder sagen mehr als tausend Worte, deshalb könnt ihr unseren Roadtrip hier nochmal in unserem @balkanbuddies Instagram-Feed anschauen:

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